Ratingen | Wer an diesen Ostertagen im Stadtgebiet unterwegs war, konnte erleben, wie lebendig alte Bräuche noch sind. Schon am Freitag führte der Weg nach Breitscheid. Dort wurde der Osterweg eingeweiht, gemeinsam mit rund 100 Menschen, mit Kaplan Kingsly Joans Paniyadimai, der seit Oktober 2025 in Ratingen-Lintorf, Hösel, Breitscheid und Essen-Kettwig tätig ist, sowie mit Freifrau Isabella und Freiherr Wilderich von Ketteler von Schloss Linnep. Paniyadimai stammt aus Kanyakumari im Süden Indiens und war zuvor sechs Jahre Kaplan in Wipperfürth. (Fotogalerie am Ende des Textes)
Der Breitscheider Osterweg knüpft dabei an das erfolgreiche Format des Vorjahres an. Auch diesmal umfasst er 12 Stationen, an denen Bibelbilder betrachtet und die dazugehörigen Geschichten per QR-Code angehört werden können. Die Strecke kann komplett oder in Etappen von Karfreitag bis Ostermontag gegangen werden. Die Bilder stammen erneut von Schülerinnen und Schülern der Matthias-Claudius-Schule. Damit wird der Weg durch Leiden, Tod und Auferstehung Jesu nicht nur erzählt, sondern buchstäblich begehbar gemacht.
Am Samstag folgte dann das, was man fast schon ein kleines Osterfeuer-Hopping nennen kann. Gemeinsam mit dem Ratinger Webdesigner und Luftbildspezialisten Nestoras Stergiopoulos, der unter dem Namen Nestocom arbeitet und sich auf Webdesign sowie Luftaufnahmen mit Drohnentechnik spezialisiert hat, ging es von Tiefenbroich weiter nach Hösel, Eggerscheidt, Ratingen Ost und Süd, über Breitscheid schließlich noch einmal zurück nach Eggerscheidt. Unterwegs entstanden eindrucksvolle Bilder von Feuern, Funkenflug und nächtlicher Stimmung, die den Bericht nun ergänzen.
Gerade diese Feuer zeigen, warum der Osterbrauch bis heute so viele Menschen anzieht. Das Osterfeuer ist keineswegs nur romantische Folklore. Nach Einschätzung des LVR gehen die Oster- oder Judasfeuer auf zwei Traditionslinien zurück: auf christlich geprägte Feuer und auf profane Freudenfeuer. Die christliche Form lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Seit dem 12. Jahrhundert gehören Segnung des Feuers und das Entzünden der Osterkerze zur Lichtfeier. Das Licht steht für den auferstandenen Christus, das Feuer für Hoffnung, Neubeginn und Leben. Weltliche Osterfeuer sind ebenfalls seit Jahrhunderten belegt, dort steht stärker das gemeinschaftliche Feiern im Vordergrund. Eindrucksvoll
Genau diese Mischung war an vielen Stationen im Ratinger Stadtgebiet zu spüren. Das Osterfeuer ist eben mehr als nur ein Haufen Holz, der brennt. Es ist Treffpunkt, Brauchtum, Glaubenszeichen und Dorf- oder Stadtteilmoment zugleich. Familien, Nachbarn, Vereinsleute und Kirchengemeinden kommen zusammen, reden miteinander, schauen ins Feuer und erleben für einige Stunden Gemeinschaft, die im Alltag oft zu kurz kommt. Gerade darin liegt wohl seine anhaltende Kraft.
So blieb an diesem Osterwochenende vor allem ein Eindruck: Ratingen hat viele Feuer, aber dahinter steht mehr als nur Flamme und Glut. Es sind Orte der Begegnung. Und manchmal erzählen sie sogar etwas darüber, wie nah sich alter Glaube, gelebte Tradition und modernes Stadtleben noch immer sind.
Fotos Ostern 2026:





