Jubiläum, Vielfalt und ein bisschen „bestellter“ Regen

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Impressionen vom Rosenmontag 2026, Bilder: Alexander Heinz
Impressionen vom Rosenmontag 2026, Bilder: Alexander Heinz

Ratingen | Friedlich, farbenfroh und mit viel Herz für die Tradition hat sich der Rosenmontagszug durch die Ratinger Innenstadt geschoben. Trotz – oder gerade wegen – der in diesem Jahr besonders hohen Zahl an Wagen, Fuß- und Musikgruppen blieb das Bild stimmig: ein bunter Mix, der den Karneval in all seinen Facetten zeigte.

Impressionen vom Rosenmontag 2026 in Ratingen, Bilder: Alexander Heinz
Impressionen vom Rosenmontag 2026 in Ratingen, Bilder: Alexander Heinz

Dass die Wagenkolonne länger wirkte als gewohnt, hatte dabei auch einen organisatorischen Grund: In diesem Jahr bekamen nicht nur die großen Motivwagen, sondern auch Bagagewagen und Versorgungsfahrzeuge eigene Zugnummern. So kam eine stattliche Zahl an Wagen zusammen – ohne dass der Zug deshalb „zu viel“ wurde. Im Gegenteil: Die Teilnehmer präsentierten sich abwechslungsreich und ausgewogen, von klassisch-karnevalistisch bis kreativ-aktuell.

Fast überall war zudem ein gemeinsamer roter Faden zu sehen: der Hinweis auf das Jubiläumsjahr. Ob auf Bannern, auf den Wagen oder in den Kostümen – das Motto war nicht nur ein Spruch, sondern sichtbarer Teil des Zuges. Das sorgte für zusätzliche Begeisterung am Straßenrand, denn man merkte: Hier feiert eine Stadt nicht nur Karneval, sondern auch sich selbst.

Ein echter Hingucker war die belgische Gruppe von Stelzenläufern. Hoch über den Köpfen der Feiernden schwebten die Künstler durch die Menschenmenge und wurden immer wieder bestaunt – ein Programmpunkt, der für viele das besondere Foto und den „Wow“-Moment des Tages lieferte.

Bildergallerie:

Auch das Ehrenamt war präsent: Mit dabei waren unter anderem Hilfsorganisationen und caritative Einrichtungen. Damit wurde sichtbar, wie stark Karneval in Ratingen auch Gemeinschaft bedeutet – und dass sich hinter dem bunten Trubel ebenso Engagement und Zusammenhalt verbergen.

Traditionell bildeten Prinz Jörg I. und seine Ratingia Claudia III. die Nachhut. Zuvor war am Sammelpunkt auf der Industriestraße der gesamte Tross an ihnen vorbeiflaniert – ein Ritual, das den Zug noch einmal „rund“ machte und den Tollitäten sichtbar Freude bereitete.

Und dann kam er: der Regen. Ausgerechnet zum Schluss setzte er ein – aber mit perfektem Timing. Man könnte sagen: Er kam wie bestellt. Für die Gastronomen war das ein Segen, denn nach dem Ende des Umzuges wurden Häuser und Zelte schlagartig voll. Wer vorher noch draußen stand und Kamelle zählte, suchte plötzlich drinnen Schutz – und fand dort Wärme, Stimmung und Nachschub.

Zum Ende der Session richtet sich der Blick bereits auf den Veilchendienstag: Dann begibt sich die Hoppeditzin auf dem Marktplatz zur Ruhe. Genaugenommen ist es zugleich ein Abschied mit größerer Bedeutung, denn Kathrin Hofmann wird in der kommenden Session nicht mehr als Hoppeditzin auftreten. Die Suche nach einer Nachfolge für diese Rolle läuft.

Auch am Zug selbst wurde eine Staffel weitergereicht: Achim Pohlmann, der seit 33 Jahren die Kommentierung des Ratinger Rosenmontagszuges geprägt hat, kündigte heute seinen Rückzug an – stilecht von seinem „Zugbeobachtungsnest“ aus, einer Plattform auf einem Steiger mitten auf dem Marktplatz. Ganz ohne Pathos, aber mit der klaren Botschaft: Es ist Zeit, das Mikrofon weiterzugeben. Einen Nachfolger hat er bereits präsentiert: Andreas Müller von Rot Weiss übernimmt künftig die Kommentierung – und damit eine Aufgabe, die in Ratingen fast genauso zur Zugtradition gehört wie die Nachhut der Tollitäten.

So bleibt nach einem friedlichen, vielfältigen Rosenmontag vor allem der Eindruck: Ratingen kann Karneval – bunt, gemeinsam, und notfalls sogar mit Regen auf Bestellung. Helau!