Ratingen | Der 9. November erinnert an unterschiedliche Kapitel deutscher Geschichte: an die Ausrufung der Republik 1918, die Novemberpogrome von 1938 und die friedliche Revolution, die 1989 zum Fall der Berliner Mauer führte. In Ratingen lädt Bürgermeister Patrick Anders am Montag, 9. November, um 16.30 Uhr zu einer Gedenkstunde ins Medienzentrum am Peter-Brüning-Platz 3 ein. Im Anschluss wird an der Gedenkstätte des früheren jüdischen Friedhofs an der Werdener Straße ein Kranz niedergelegt. Alle Bürger sind eingeladen.
Die Pogrome vom 9. und 10. November 1938 waren keine spontane Reaktion auf ein Attentat, als die NS-Führung sie darzustellen versuchte. Sie waren Teil der systematischen Verfolgung jüdischer Menschen. Im gesamten Deutschen Reich wurden Synagogen in Brand gesetzt, Geschäfte zerstört und jüdische Männer verhaftet. Yad Vashem zählt mehr als 1.400 zerstörte Synagogen und berichtet von rund 30.000 Männern, die in Konzentrationslager verschleppt wurden.
Auch Ratingens jüdische Geschichte ist mit diesen Ereignissen verbunden. Die Synagoge an der Bechemer Straße wurde schon um 1930/31 nicht mehr als Gotteshaus genutzt. Die Stadt kaufte das Gebäude 1936; 1940 wurde es abgerissen. In der Pogromnacht wurde der jüdische Friedhof an der Werdener Straße geschändet und später eingeebnet. Heute erinnern dort ein Gedenkstein und eine Tafel an die jüdischen Ratinger, die deportiert und ermordet wurden.
Die Gedenkstunde eröffnet Patrick Anders mit einer Ansprache. Danach sprechen Dr. Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, und Vadim Fridman vom Jüdischen Kulturverein „Schalom Ratingen“. Alfred Pollmann und Lennart Lux gestalten den musikalischen Rahmen am Klavier. Kantor Shmuel Yatom aus Litauen trägt das Gebet „Yivoda“ (Tehillim) vor. Schülerinnen und Schüler der „Boje“ beteiligen sich mit Wortbeiträgen.
Für den Besuch der anschließenden Kranzniederlegung werden männliche Gäste gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.




