Claudia Gottfried (LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford): „Wir sind kein Ufo !“

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Claudia Gottfried leitet seit 2008 das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford. Foto: Matthias M. Machan

(mmm) Sie war von Anfang an dabei, hat als Praktikantin, freie Mitarbeiterin, Volontärin und Museumspädagogin alle wissenschaftlichen Positionen durchlaufen, die die Textilfabrik Cromford, dessen Museumsleiterin sie bereits seit 2008 ist, zu vergeben hat. Kaum jemand dürfte das Herrenhaus und die Textilfabrik, 1783 die erste auf dem europäischen Festland überhaupt und heute Teil der kulturellen wie historischen DNA Ratingens, besser kennen als Claudia Gottfried. „Der Ort hat eine hohe Akzeptanz in der Stadt“, betont Gottfried, die gebürtig aus Osnabrück kommt und in Bielefeld studiert hat. Längst ist Ratingen und das Rheinland ihre Heimat. Hier fühle sie sich in einem lebenswerten Umfeld mit den Menschen, die für sie am wichtigsten sind, sehr wohl. „Ratingen ist eine ungewöhnliche Stadt, eben keine Schlafstadt von Düsseldorf, sondern ein Ort, mit dem die Bürgerinnen und Bürger eine unglaublich starke Identifikation haben. Das hilft uns und dem Förderverein.“

Lieblingsplatz? Diese Frage scheint überflüssig. „Cromford natürlich“, wobei Gottfried auch den Cromford- und Poensgenpark sowie den Angerbach bis zur Auermühle einbezieht. Der Cromford-Blickfang ist unstrittig das spätbarocke Herrenhaus, in dem bis zur Wiedereröffnung der „Hohen Fabrik“ im Frühjahr 2027 auch Teile der Spinntechnik zu erleben sind. Das Museumscafé ist auch an diesem Mittwochmorgen im Oktober ein belebter wie beliebter Ort. „Wir sind kein Ufo!“, betont Gottfried die Anbindung an die Stadt und ergänzt: „Wir initiieren Ausstellungen, bei denen die Menschen Lust haben, zu kommen. Ich schaue immer aus dem Blick der Zielgruppe auf das Haus. Wir wollen ein attraktiver Ort sein, von dem man ‚en passant‘ viel mit nach Hause nehmen kann.“

Kein elitäres Geschichtswissen

Das Thema Kulturvermittlung sei ihr wichtig. „Wir wollen die Kulturgeschichte der Textilfabrik Cromford vielen Menschen zugänglich machen, einen niederschwelligen Zugang ermöglichen und kein elitäres Geschichtswissen abbilden. Indes: „Populär sollte nicht banal bedeuten, wir haben einen gesellschaftspolitischen Anspruch.“ Und so wird beispielsweise auch gezeigt, wie man Bekleidung als Seismographen für gesellschaftliche Veränderungen wahrnehmen kann oder welche Auswirkungen Trends wie „Fast Fashion“ haben. „Wir sind kein Heimatmuseum früherer Prägung, sondern zeigen auch die Sozial- und Kulturgeschichte der Textilindustrie, die Ratingen noch bis in die 1970er Jahre hinein geprägt hat.“

Seit 1996 sind das Herrenhaus und die Fabrik Teil des LVR-Industriemuseums. „Damals entstand ein ganz neuer Museumstyp“, erinnert sich Gottfried. In den Museen des LVR sollten die Fabriken, die Städte wie Ratingen und Regionen geprägt hatten, erhalten werden, damit Besucher die Arbeitswelt von einst entdecken können. Das Cromfoder „Problem“: Anfangs war es ein Museum ohne Sammlung. Unterstützung kam beim Nachbau der Maschinen zur Baumwollspinnerei von den Briten, obwohl die eigentlich allen Grund gehabt hätten, Groll gegenüber Firmengründer Johann Gottfried Brügelmann zu hegen, der sich einer frühen Form der Industriespionage verdächtig gemacht hatte. „Hier gab es nichts mehr, nur noch das Gebäude. Wir haben nicht gewusst, ob das klappt“, erinnert sich Gottfried, die sich in ihrer Freizeit beim Klavierspielen, im Kino (Autorenkino) oder in der Küche (cross-over) entspannt, an die Anfänge zurück. Größte Herausforderung heute? „Die Kultur ist durch leere Kassen und politische Anfeindungen gleich doppelt in Gefahr. Die nächsten Jahre werden ungemütlich, die Spielräume in jeder Hinsicht geringer.“ Mit Cromford indes hat Gottfried eine „Spielstätte“ für ihr größtes Talent: „Ausstellungen konzipieren!“