Ronald Rauhe übernimmt den Vorsitz des DSEE-Stiftungsrates. Einfachere Förderwege, kostenlose Beratung und neue Mitmachaktionen sollen Engagierte unterstützen.
Ratingen/Neustrelitz | Ein Smartphone erklären, Fahrräder reparieren, Menschen begleiten: Wie vielfältig freiwilliges Engagement in Ratingen ist, zeigte kürzlich die Veranstaltung „Lieblingsplatz Ehrenamt“ im Mehrgenerationentreff Tiefenbroich. Rund 40 Interessierte informierten sich über Aufgaben, die zu ihren Fähigkeiten und ihrem Alltag passen. Auf dem Podium berichteten unter anderem Digitalpaten, Hospizbewegung, ADFC und Repair-Café von ihrer Arbeit. Die Miteinander.Freiwilligenbörse stellte ihre Vermittlungsangebote vor.
Damit solche Angebote bestehen können, brauchen Organisationen neben helfenden Händen auch verlässliche Unterstützung. Hier setzt die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt, kurz DSEE, an. Ihr Stiftungsrat tagte am 30. September erstmals unter dem Vorsitz von Ronald Rauhe, Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Der zweifache Kanu-Olympiasieger will insbesondere den Austausch mit Engagierten und die Entlastung von unnötiger Bürokratie voranbringen.
Die Stiftung kündigt dafür mehrere Veränderungen an: Förderprogramme sollen gebündelt werden, damit Interessierte leichter das passende Angebot finden. Auch die Internetseite wird überarbeitet. Hinzu kommt ein neuer Umweltengagementpreis mit Unterstützung des Bundesumweltministeriums. Beschlossen wurde außerdem, den bundesweiten Ehrentag 2027 fortzusetzen. Vorständin Lena Bloemacher betont dabei die Bedeutung der Nachwuchsgewinnung: Junge Menschen sollen Möglichkeiten bekommen, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung zu übernehmen.
Dass Entlastung gebraucht wird, zeigt eine im September veröffentlichte DSEE-Befragung. Unter 500 haupt- und ehrenamtlichen Leitungspersonen gemeinnütziger Organisationen berichteten 57,4 Prozent, der bürokratische Aufwand sei innerhalb von fünf Jahren gestiegen. Als besonders belastend wurden Steuererklärungen, Gemeinnützigkeitsprüfungen und Veranstaltungsauflagen genannt. Die Ergebnisse beziehen sich auf die bundesweite Befragung; gesonderte Zahlen für Ratingen liegen daraus nicht vor.
Für Ratinger Vereine liegt ein unmittelbar nutzbarer Vorteil in den bereits bestehenden Beratungsangeboten. Gemeinnützige Organisationen können sich kostenlos zu Fördermitteln und Spendenwerbung, rechtlichen Fragen, Versicherungen und IT-Problemen beraten lassen. Ein Vereinsvorstand, der seine Satzung ändern möchte oder Finanzierungsmöglichkeiten für ein Projekt sucht, findet dort fachliche Ansprechpartner. Diese Unterstützung kann auch für örtliche Kultur-, Sport- und Sozialvereine hilfreich sein.
Ergänzend bietet das kostenlose Lernportal Praxiswissen zur Digitalisierung, zur Gewinnung neuer Mitglieder und zur Organisation der Vereinsarbeit. Damit können auch Engagierte aus Ratingen Fortbildungen nutzen, ohne zu einer Veranstaltung reisen zu müssen.
Bei finanziellen Zuschüssen lohnt sich dagegen ein genauer Blick auf die Bedingungen. Das Mikroförderprogramm beispielsweise unterstützt Projekte in ländlichen oder strukturschwachen Regionen. Ob ein Vorhaben förderfähig ist, lässt sich über eine Postleitzahlprüfung auf der Stiftungsseite klären. Eine automatische Förderberechtigung für alle Ratinger Vereine ergibt sich daraus nicht.
Die angekündigten Neuerungen eröffnen damit mögliche zusätzliche Chancen für das örtliche Ehrenamt. Konkrete Ratinger Projekte oder Förderzusagen nennt die aktuelle Mitteilung jedoch nicht. Wer zunächst eine passende ehrenamtliche Aufgabe vor Ort sucht, erreicht die Miteinander.Freiwilligenbörse unter Telefon 02102 5595551 oder per E-Mail an info@freiwilligenboerse-ratingen.de. Informationen zu den bundesweiten Hilfen stehen auf www.d-s-e-e.de.




