
Ratingen | Vor wenigen Monaten stand an der Sohlstättenstraße noch das ehemalige Restaurant Tiflis. Jetzt ist das Gebäude verschwunden. Auf der freien Fläche zeigt sich an diesem Wochenende, wie die künftige Mitte von Tiefenbroich aussehen könnte. Mit einem dreitägigen Reallabor testet die Stadt gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, welche Nutzungen funktionieren und was aus dem Ort einmal werden soll.
Zwischen Baustelle und Nachbarschaftstreff
Zum Auftakt am Freitag wirkte das Gelände wie eine Mischung aus Baustelle, Experimentierfeld und Nachbarschaftstreff. Gerüste, Stoffbahnen und Palettenmöbel prägten das Bild. Besucher saßen auf provisorischen Bänken und kamen ins Gespräch. Das Improvisierte gehört zum Konzept. Die Fläche wird nicht sofort endgültig gestaltet. Sie wird zunächst ausprobiert.
Planungsdezernentin Petra Cremer war ebenso vor Ort wie weitere Vertreter der Stadtplanung. Auch der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Diedrich und andere bekannte Tiefenbroicher nutzten den Nachmittag für den Austausch. Der Bürgerverein Ratingen-Tiefenbroich hatte einen eigenen Stand aufgebaut und kümmerte sich um das leibliche Wohl der Gäste.
Diese Mischung aus Planung und Begegnung prägt die Veranstaltung. Die „Neue Mitte“ soll nicht allein am Schreibtisch entstehen. Sie soll mit den Menschen entwickelt werden, die den Stadtteil jeden Tag nutzen.
Ein Ort mit Geschichte
Der Wunsch nach einem echten Mittelpunkt begleitet Tiefenbroich seit vielen Jahren. Der Bereich rund um Sohlstättenstraße und Alter Kirchweg gilt dabei als Schlüsselstelle. Viele ältere Tiefenbroicher kennen das ehemalige Tiflis-Gebäude noch als Konsum. Es stand lange leer und wurde zunehmend zum Sinnbild für Stillstand im Stadtteil.
Mit dem Abriss hat die Stadt Platz geschaffen. Der Rat stellte dafür in diesem Jahr rund 178.000 Euro bereit. Schnell wieder bebaut wird die Fläche jedoch nicht. Die Tiefenbroich-Terrassen und das aktuelle Reallabor sollen zunächst Erfahrungen liefern.
Studierende liefern Ideen
Unterstützung kommt von Studierenden der IU Internationalen Hochschule Düsseldorf. Sie haben sich in einem Semesterprojekt mit möglichen Nutzungen für die Ortsmitte beschäftigt und Entwürfe für einen Stadtteilplatz entwickelt. Vor Ort zeigt sich jetzt, was davon ankommt und wo nachgeschärft werden muss.
Die Wünsche der Bevölkerung sind vielfältig. Immer wieder fallen Stichworte wie Sitzgelegenheiten, Begegnungsorte, Gastronomie und eine bessere Nahversorgung. Auch Arztpraxen, Dienstleistungen und mehr Aufenthaltsqualität sind Thema.
Bürgerverein mittendrin
Dass der Bürgerverein wie selbstverständlich dabei ist, passt ins Bild. Der junge Verein ist selbst aus dem Wunsch entstanden, die Entwicklung Tiefenbroichs mitzugestalten. Seine Präsenz macht deutlich: Eine neue Mitte besteht nicht nur aus Pflaster, Bänken und Gebäuden.
Mitmachen – vor Ort und online
Das Reallabor läuft noch bis Sonntag, 27. September. Geöffnet ist am Samstag von 10 bis 20 Uhr und am Sonntag von 12 bis 16 Uhr. Wer es nicht auf die Fläche schafft, kann sich auch digital beteiligen. Bis zum 15. Oktober nimmt die Stadt Ideen und Wünsche über eine Online-Ideenkarte entgegen: www.ideenkarte.de/tiefenbroich
Erst sehen, dann bauen
Wie die Neue Mitte am Ende aussieht, steht noch nicht fest. Auch das ist gewollt. Bevor gebaut wird, soll sichtbar werden, was Tiefenbroich braucht. Das Wochenende zeigt schon jetzt: Eine Mitte entsteht nicht allein durch Architektur. Sie entsteht dort, wo Menschen zusammenkommen.





