Ratingen | Heimatpflege lebt davon, dass Menschen Traditionen nicht nur bewahren, sondern sie immer wieder neu mit Leben füllen. In Ratingen stehen zwei Vereine in besonderer Weise dafür: die Ratinger Jonges und die Vereinigung der Martinsfreunde. Bei der Herbstversammlung der Jonges im Ratinger Brauhaus wurde nun bekanntgegeben, dass die Martinsfreunde mit der Dumeklemmer-Plakette 2026 ausgezeichnet werden.
Mehr als 80 Mitglieder waren der Einladung gefolgt. Baas Dr. Edgar Dullni führte durch einen kurzweiligen Abend. Es ging um Rückschau und Dankbarkeit, aber ebenso um den Blick nach vorn.
Würdigung eines gelebten Brauchtums
Den Höhepunkt des Abends bildete die Bekanntgabe der diesjährigen Plakettenträger. Die Findungskommission hat sich für die Vereinigung der Martinsfreunde Ratingen e. V. entschieden. Seit März 2023 steht Alexandra Töpfer an der Spitze des Vereins.
Die Jonges würdigen damit das unermüdliche Engagement der Martinsfreunde für die Ratinger Martinszüge. Jahr für Jahr sorgen zahlreiche Ehrenamtliche dafür, dass ein Brauch lebendig bleibt, der für Generationen von Kindern zu den schönsten Erinnerungen an ihre Heimatstadt zählt. Laternen, Martinslieder, das Pferd und die Mantelteilung sind dabei weit mehr als liebgewonnene Rituale. Sie vermitteln Gemeinsinn, Mitmenschlichkeit und die Bereitschaft zu teilen.
Damit fügt sich das Wirken der Martinsfreunde nahtlos in das Selbstverständnis der Jonges. Der Verein fühlt sich der Heimatpflege und der Bewahrung Ratinger Überlieferungen verpflichtet. Die feierliche Verleihung der Plakette ist für den 5. Dezember im Trimbornsaal vorgesehen.
Ein Jahr voller Vorhaben
Dass die Jonges keineswegs nur zurückblicken, zeigte der weitere Verlauf der Versammlung. Der Vorstand zog eine erfreuliche Bilanz über zahlreiche Veranstaltungen und Projekte. Dazu zählten die Tore-Lasershow, die Beklebung einer Straßenbahn und die Arbeiten am neuen Wehrgang am Dicken Turm. Auch die Reise ins französische Burgund fand regen Zuspruch.
Gemeinschaft, die trägt und verbindet
Wie viel den Jonges der Zusammenhalt bedeutet, verdeutlichte der Bericht des Besuchsteams. Heinz-Otto Brüggemann, Friedhelm Holzhauer und Erbo Heinrich besuchen erkrankte und betagte Vereinsfreunde im Krankenhaus und in Seniorenheimen. Im Haus Salem gestalteten die Jonges zudem erstmals eine musikalische Veranstaltung.
Für ihre langjährigen Verdienste erhielten Heinz-Otto Brüggemann, Harald Kronenberg, Klaus Hamacher und Guido Multhaupt die Ehrennadel der Ratinger Jonges. Mit Dank verabschiedet wurde Joachim Dangelmeyer, der seit 2017 als Pressesprecher die Außendarstellung des Vereins prägte.
Auch die Reiselust bleibt ungebrochen. Für 2027 sind eine viertägige Fahrt ins Elsass sowie eine neuntägige Reise nach Oberschlesien und Südpolen geplant. Stationen sind unter anderem Kattowitz, Krakau und Breslau.
Junge Jonges: Frischer Wind für den Traditionsverein
Klartext: Die Jonges wollen jünger werden. Wie viele Traditionsvereine stehen sie vor einer bekannten Herausforderung. Den verstorbenen Mitgliedern stehen bislang zu wenige Neuzugänge gegenüber. Die Antwort darauf heißt „Junge Jonges“.
In einem Workshop sollen außerdem erstmals gezielt Aktivitäten für Lintorf, Hösel und Homberg entwickelt werden. Heimat endet eben nicht an der Ratinger Stadtmauer.
Das wohl spannendste Projekt für 2027 ist ein Debatten-Club. An jedem zweiten Dienstag im Monat soll im Dicken Turm über gesellschaftliche und aktuelle Themen diskutiert werden. Eine professionelle Moderatorin soll Impulse setzen und kritisches Denken fördern. Offen, streitbar, auf Augenhöhe. Über das Konzept entscheidet der Vorstand noch abschließend.
Ein Lied zum Abschluss
Zum Ende der Versammlung wurde es noch einmal ganz traditionell. Gemeinsam stimmten die Mitglieder das Ratinger-Jonges-Lied an. Ein würdiger Ausklang für einen Abend, der eines deutlich machte: Heimatpflege heißt bei den Jonges nicht, Vergangenes lediglich zu verwahren. Sie heißt, Gemeinschaft zu leben, Menschen zusammenzubringen und Ratinger Traditionen eine Zukunft zu geben.
Mitmachen ohne Pflichtprogramm
Die Bilanz des Jahres zeigt, was die Jonges bewegen: vom Wehrgang am Dicken Turm über Lichtkunst an den Stadttoren bis zu Reisen quer durch Europa. Dahinter steht ein Verein, der breiter aufgestellt ist, als viele vermuten. Geschichte und Stadtbild, Kultur und Musik, Reisen, Geselligkeit und bald auch Debatten gehören dazu. Jeder sucht sich aus, was passt. Einen Anwesenheitszwang gibt es nicht, feste Termine muss niemand einhalten. Wer eine Idee hat, bringt sie ein. Wer nur mal reinschnuppern will, ist genauso willkommen. Gerade jüngere Ratingerinnen und Ratinger haben jetzt die Gelegenheit, den Verein nach ihren Vorstellungen mitzuprägen. Die Junge-Jonges-Gruppe entsteht gerade erst. Wer jetzt einsteigt, gestaltet sie von Anfang an mit.




