Ratingen/Neuss | Wie kann eine Landesgartenschau mehr sein als ein Großereignis auf Zeit? Mit dieser Frage hat eine Gruppe aus CDU-Fraktion und Partei die Landesgartenschau in Neuss besucht. Hintergrund ist ein Antrag der CDU-Fraktion vom Mai, mit dem eine mögliche Bewerbung Ratingens für die Landesgartenschau NRW 2032 oder 2035 geprüft werden soll. Als möglicher Schwerpunkt ist Ratingen-West im Gespräch.
Vorbild Neuss: Vom Rennbahngelände zum Stadtpark
In Neuss konnten sich die Ratinger Christdemokraten ansehen, wie aus einem ehemaligen Rennbahngelände ein neuer Stadtpark entstanden ist. Auf rund 38 Hektar wurden unter anderem 2.200 junge Bäume gepflanzt. Hinzu kommen barrierefreie Spielbereiche, Flächen für Ball- und Beachvolleyballsport, ein Skatebereich, Biotope und neue Wegeverbindungen. Teile der früheren Rennbahn, darunter Sandbahn und Richtertürme, wurden bewusst in die Gestaltung integriert.
Gerade diese dauerhafte Nachnutzung sei für Ratingen interessant. „Die Stadt hat nicht eine Gartenschau geplant und danach überlegt, was mit der Fläche passiert. Sie hat einen Park geplant und die Gartenschau als Anlass genutzt, ihn zu finanzieren“, fasst CDU-Vorsitzender Peter Thomas seinen Eindruck zusammen.
Der Blick richtet sich auf die Freiflächen in Ratingen-West
Für Ratingen richtet sich der Blick insbesondere auf die Grün- und Freiflächen in West. Genannt werden die Bereiche rund um Grünen See, Sandbach, Schwanenspiegel und Rodelberg. Viele dieser Flächen besitzen bereits heute einen hohen Freizeitwert, weisen nach Ansicht der CDU aber zugleich Modernisierungsbedarf auf. Verbesserungen seien etwa bei Wegen, Aufenthaltsbereichen, Barrierefreiheit und ökologischen Grünstrukturen denkbar.
Landesgartenschau als Bündelungsinstrument für Stadtentwicklung
Eine Landesgartenschau könnte nach Vorstellung der Fraktion dazu dienen, verschiedene Einzelprojekte zu bündeln und zusätzliche Fördermöglichkeiten zu erschließen. Auch städtebauliche und wirtschaftliche Effekte spielen eine Rolle. Beim Rundgang durch Neuss wurde deshalb nicht nur das Gartenschaugelände selbst betrachtet, sondern auch die Verbindung zur Innenstadt. Dort soll die räumliche Nähe zwischen Park, Einzelhandel und Gastronomie zusätzliche Besucherströme erzeugen.
Für Ratingen-West könnte nach Auffassung der CDU unter anderem das Mosaik-Center von einer entsprechenden Entwicklung im Umfeld profitieren.
CDU: „Weit mehr als eine zeitlich begrenzte Veranstaltung“
„Eine Landesgartenschau ist weit mehr als eine zeitlich begrenzte Veranstaltung“, erklärt Fraktionsvorsitzender Stefan Heins. In Neuss sei deutlich geworden, wie ein ganzer Stadtteil städtebaulich, ökologisch und wirtschaftlich profitieren könne. Ratingen-West verfüge bereits über attraktive Freiflächen mit erheblichem Potenzial.
Nächster Schritt: Machbarkeitsprüfung durch die Verwaltung
Noch steht allerdings keine Bewerbung bevor. Der CDU-Antrag sieht zunächst eine vertiefte Machbarkeitsprüfung durch die Verwaltung vor. Untersucht werden sollen unter anderem die Eignung möglicher Flächen, Kosten, Fördermöglichkeiten, Risiken, Umwelt- und Naturschutzbelange, Barrierefreiheit sowie die langfristige Nutzung nach einer möglichen Gartenschau.
Erst auf Grundlage dieser Ergebnisse soll entschieden werden, ob Ratingen tatsächlich ins Bewerbungsverfahren einsteigt. Der Besuch in Neuss sollte deshalb vor allem eines liefern: konkrete Anschauung dafür, wie aus einer Gartenschau ein langfristiges Stadtentwicklungsprojekt werden kann.




