
Ratingen. Ein Abitur mit voller Punktzahl ist selbst in starken Jahrgängen eine absolute Ausnahme: Umso größer war die Überraschung, als genau dieses Kunststück Lena Noemi Heinicke am Adam-Josef-Cüppers-Berufskolleg gelang. In den zentralen Abiturprüfungen am Wirtschaftsgymnasium erreichte sie in allen vier Fächern – Mathematik, Betriebswirtschaftslehre, Deutsch und Religion – jeweils 15 Punkte und damit das Traumergebnis von 300 von 300 möglichen Punkten.
„Ich wusste, dass die Klausuren gut verlaufen sind, aber mit voller Punktzahl hatte ich nicht gerechnet und hatte dieses Ergebnis eigentlich auch nicht angestrebt“, sagt Heinicke rückblickend. Dass hinter einer solchen Ausnahmeleistung weit mehr steckt als nur Talent oder Glück, zeigt ein Blick auf ihre Lernweise. Zwar brauche es viel Lernaufwand, „doch mit den richtigen Strategien ist oft weniger Aufwand nötig, als viele denken“, erklärt Heinicke. Gleichzeitig räumt sie ein, dass auch ein gewisser Glücksfaktor dazugehöre. So falle Ihr das Lernen grundsätzlich leicht.
Gelernt hat Lena Noemi Heinicke dabei bewusst analog: „Ich habe ganz analog gelernt, da ich kein iPad besitze – im Gegenteil zu den meisten Schülern heutzutage“, schildert sie. Stattdessen prägten Karteikarten und Selbstabfragen ihren Lernalltag. Besonders geholfen habe ihr außerdem das regelmäßige Schreiben von Probeklausuren: „Viele Schüler wollen Stress vermeiden, indem sie erst sehr spät anfangen zu lernen. Meiner Erfahrung nach hat man aber den wenigsten Stress, wenn man früh anfängt und jeden Tag nur ein bisschen macht.“
Ihr Weg führte sie erst nach der 10. Klasse ans Berufskolleg. Zuvor besuchte sie die Erzbischöfliche Liebfrauenschule Ratingen. „Mir war klar, dass ich nach der 10. Klasse noch mein Abitur machen möchte und bin deshalb gewechselt“, sagt Heinicke. Die Entscheidung für das Adam-Josef-Cüppers-Berufskolleg fiel schließlich vor allem wegen der guten Erreichbarkeit und des geringeren Nachmittagsunterrichts. „Obwohl man dort weniger Stunden hat, habe ich mich meistens gut auf das Abi vorbereitet gefühlt.“
Die Reaktionen auf das Abitur-Ergebnis seien überwältigend gewesen – vor allem im familiären Umfeld. „Ich denke, meine Eltern haben sich mehr darüber gefreut als ich. Sie stehen immer hinter mir und supporten mich in dem, was ich tue.“ Der größte Erfolg liegt für Heinicke jedoch nicht allein in der perfekten Punktzahl: „Am meisten stolz bin ich darauf, dass ich mir selbst treu geblieben bin und mein Ding durchgezogen habe.“, berichtet sie. Auf die Frage, was Heinicke ihrem Früheren Ich raten würde, antwortet sie schlicht: „Dass ich mir keinen Stress machen brauche.“
Nach dem Abitur plant Heinicke ein Studium der Finanz- und Versicherungsmathematik. Konkrete berufliche Ziele möchte sie sich dabei noch nicht setzen. Im Gegenteil, Heinicke hält sich bewusst offen, wohin der Weg sie führt: Von Forschung über Unternehmertum bis hin zur Astronomie – für die Einserabsolventin scheint vieles vorstellbar. „Ich werde sehen, wohin es mich verschlägt“, sagt sie.




