Nicht nur Julian Nagelsmann entscheidet

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Der Marktplatz beim Public Viewing Spiel gegen die Elfenbeinküste, Bild: Alexander Heinz
Der Marktplatz beim Public Viewing Spiel gegen die Elfenbeinküste, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Es liegt an uns. Nicht an Julian Nagelsmann, nicht an der Aufstellung, nicht am Schiedsrichter. Ob Public Viewing am Marktplatz in Ratingen auch bei den nächsten Spielen noch möglich ist – das entscheiden wir selbst.

Die Ratingen Marketing GmbH (RMG) hat nach der letzten Übertragung ein klares Zeichen gesetzt: Glasflaschen sind auf dem Veranstaltungsgelände ab sofort verboten. Der Grund ist so simpel wie ernüchternd. Zahlreiche Besucher hatten Getränke in Glasflaschen mitgebracht, viele blieben danach auf dem Boden liegen oder zerbrachen. Stundenlang räumten Helfer, Gastronomen und Ordnungskräfte nach Abpfiff noch Scherben vom Platz – nicht der Sauberkeit wegen, sondern weil Scherben in einer Menschenmenge Menschen verletzen.

Was auf dem Spiel steht

RMG-Geschäftsführer Dirk Bongards spricht offen aus, was viele ahnen, aber nicht laut sagen wollen: Wenn der Sicherheitsaufwand dauerhaft zu groß und zu teuer wird, ist die Zukunft des Public Viewings in Ratingen gefährdet. „Sicherheit hat absoluten Vorrang”, sagt Bongards – und meint damit nicht nur den Abend selbst, sondern das Gesamtbild, das eine Stadt von sich zeichnet, wenn sie solche Momente gemeinsam erlebt.

Denn dass diese Momente etwas bewirken, haben die vergangenen Abende gezeigt. Die Innenstadt lebt, die Gastronomie profitiert, Menschen aus unterschiedlichen Stadtteilen, Altersgruppen und Hintergründen stehen gemeinsam vor einer Leinwand und feuern dasselbe Team an. Das ist nicht selbstverständlich. Und es ist nicht garantiert.

Die Chance, die wir haben

Bongards weiß, dass späte Spiele ein anderes Publikum anziehen als frühe. Andere Altersstruktur, andere Stimmung, andere Dynamik. „Wir müssen aber auf jede Besucherstruktur eingehen, denn das Event soll ja verbinden und nicht entzweien”, sagt er. Genau das ist der Punkt.

Ratingen kann diese WM nicht gewinnen. Wir können Nagelsmann keine besseren Spieler schicken und dem Ball nicht helfen, ins Tor zu gehen. Aber wir können dafür sorgen, dass der Marktplatz ein Ort bleibt, an dem man sich gerne aufhält. Dass nach dem Abpfiff keine Scherben auf dem Pflaster liegen. Dass Familien, ältere Menschen und Kinder am nächsten Morgen sicher über den Platz gehen können.

Wer ohne Glasflasche kommt, Rücksicht nimmt und den Platz so verlässt, wie er ihn vorgefunden hat, tut nichts Heldenhaftes. Aber er sorgt dafür, dass diese besonderen Stunden weitergehen. Und das liegt, anders als vieles in diesem Turnier, vollständig in unserer Hand.