Ratingen läuft – eine Stadt in Bewegung

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Das Läuferteam des Unternehmens SAP aus Ratingen, Bild: Alexander Heinz
Das Läuferteam des Unternehmens SAP aus Ratingen, Bild: Alexander Heinz

Der Firmenlauf am Grünen See war mehr als ein Sportevent: Er steht sinnbildlich für eine Stadt, die das Laufen zu ihrer Leidenschaft gemacht hat – und in der Unternehmen, Verwaltung und Bürgerschaft gemeinsam über die Ziellinie gehen.

Ratingen | 52 Firmen, hunderte von Läuferinnen und Läufern, eine malerische Kulisse am Grünen See im Erholungspark Volkardey – und das alles trotz ungemütlichem Regenwetter: Der 3. Ratinger Firmenlauf hat einmal mehr bewiesen, dass in Ratingen eine echte Laufkultur gewachsen ist. Doch der Firmenlauf ist kein Einzelereignis. Er ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte einer Stadt, die immer öfter und immer begeisterter auf die Laufstrecke geht.

Wenn Unternehmen gemeinsam laufen

Der Firmenlauf am Grünen See hat eine besondere Qualität, die ihn von anderen Volksläufen unterscheidet: Er bringt nicht nur Läuferinnen und Läufer zusammen, sondern ganze Belegschaften – und damit einen Querschnitt der Ratinger Unternehmerlandschaft auf eine gemeinsame Strecke. Wenn der Globalkonzern neben dem Handwerksbetrieb ins Ziel läuft, wenn die Stadtverwaltung Seite an Seite mit der Regionalbank antritt und das Ingenieurbüro mit dem Aufzugshersteller um die schnellste Teamzeit kämpft, entsteht etwas, das kein Netzwerkabend der Welt ersetzen kann: echtes Miteinander.

Genau das ist der Kern des Firmenlaufs. Im Vordergrund stehen nicht Bestzeiten, sondern gemeinsame Vorbereitung, gemeinsamer Auftritt und das Gefühl, als Team – und als Stadt – etwas zu bewegen.

Die Ergebnisse: Dominanz, Engagement und eine besondere Geschichte

Sportlich setzte TK Elevator in der Mixed-Teamwertung mit einer addierten Zeit von 1:04:48 Stunden ein starkes Ausrufezeichen – und verteidigte damit den Titel aus dem Vorjahr. Ein klares Signal, dass der Aufzugshersteller nicht nur in der Vertikalen zuhause ist.

Die schnellste Frau des Abends war Julina Stolle vom TV Ratingen, die in 23:19 Minuten die Ziellinie überquerte. Den schnellsten Mann stellte Patrick Zimmer (TK Elevator), der in souveränen 18:28 Minuten das Feld anführte. Bei den Führungskräften siegten Luisa Behrends (Villa Kunterbunt e.V.) und Martin Manczyk (HPE Ratingen) mit Zeiten von 24:28 und 20:24 Minuten. Die schnellste Auszubildende war Sophie Kaiser mit 34:11 Minuten, ihr männliches Pendant Maximilian Kellers von der Sparkasse HRV jubelte nach 21:03 Minuten.

In der Teamwertung nach Teilnehmendenzahlen holte sich die Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert den Gesamtsieg. Eine besondere Anerkennung verdiente sich das Ingenieurbüro Kunkel: 18 von 30 Mitarbeitenden gingen gemeinsam an den Start – eine Beteiligungsquote, die für sich spricht. Und die Feuerwehr Ratingen? Die lief – wie gewohnt – in voller Montur, und gewann damit folgerichtig den Titel für das kreativste Outfit. Das kreativste Motto sicherte sich Toi Toi & Dixi GmbH mit der Botschaft „Shit happens – Dixi”: Humor, der auf einer Laufveranstaltung genauso verbindet wie Schweiß.

Eine besonders bewegende Geschichte schrieb Huy Hung Pham von TK Elevator: Der blinde Läufer absolvierte die fünf Kilometer gemeinsam mit Begleitläufer Ravi Kiranpolu – als einziger Teilnehmer mit Behinderung. Organisationsleiter Georg Mantyk nutzte die Gelegenheit für einen klaren Appell: „Wir können jedes Unternehmen nur ermuntern, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderung mit an den Grünen See zu bringen. Mir ist kein verbindenderes und Freude vermittelndereres Element als Sport bekannt.”

Eine Stadt auf der Laufstrecke

Der Firmenlauf ist kein Zufall in einer sportlichen Wüste – er ist Teil einer bemerkenswerten Lauftradition. Seit 1978 veranstaltet der ASC Ratingen West den Neujahrslauf, der alljährlich bis zu 2.000 Menschen jeden Alters an den Ratinger Marktplatz lockt – vom Bambini-Lauf über die Schülerklassen bis zum ambitionierten Hobbyläufer. Der Ratinger Sparkassen Lauf-Cup bündelt gleich vier Veranstaltungen zu einer Jahreswertung und gibt Läuferinnen und Läufern einen roten Faden durch die Saison.

Und jetzt kommt eine neue Veranstaltung dazu, die symbolisch kaum aufgeladener sein könnte: Der Westbahnlauf am 11. Oktober 2026, veranstaltet von der Standortinitiative InWest, führt auf zehn Kilometern entlang der Westbahnstrecke – und verbindet sportliches Engagement mit dem politischen Signal für die Reaktivierung der Ratinger Weststrecke für den Personenverkehr. Start und Ziel: das Stadion am Stadionring. Durchhalten ist die Devise – auf der Strecke und in der Verkehrspolitik.

Ratingen – Sportstadt weit über den Laufsport hinaus

Wer glaubt, Ratingens Sportbegeisterung erschöpfe sich im Laufen, unterschätzt die Stadt erheblich. Am 27. und 28. Juni 2026 kehrt das Stadtwerke Ratingen Mehrkampf-Meeting ins Stadion am Stadionring zurück – das einzige Freiluft-Meeting Deutschlands mit Gold-Label-Status des Weltverbands World Athletics. Weltmeister Leo Neugebauer, zweifache Weltmeisterin Katarina Johnson-Thompson und Olympia-Dritte Emma Oosterwegel gehören zu den angekündigten Stars. Ratingen wird dann für zwei Tage zur Weltbühne der Leichtathletik.

Und am 13. September 2026 lädt der 18. Stadtwerke Ratingen Triathlon zum sportlichen Dreikampf: Schwimmen, Radfahren, Laufen – für Kinder ebenso wie für ambitionierte Mitteldistanzathleten, für Einzelstarter wie für Staffeln. Auch Unternehmen können sich beim Company-Cup-Staffeltriathlon miteinander messen – eine schöne Brücke zurück zum Geist des Firmenlaufs.

Ratingen läuft. Und springt, schwimmt, kämpft und fährt. Die Stadt hat Sport nicht nur als Freizeitbeschäftigung entdeckt, sondern als Sprache des Miteinanders – in den Unternehmen, in den Stadtteilen und weit über die Stadtgrenzen hinaus.