
(mmm) Er ist seit 1996 im diplomatischen Dienst des chinesischen Außenministeriums tätig, war zuletzt u.a. in Südafrika und Äthiopien. Von Addis Abeba führte Yu Yong über die Position des stellvertretenden Leiters der Afrika-Abteilung im chinesischen Außenministerium im vergangenen Sommer der Weg nach Düsseldorf. Seit Juli 2025 kümmert er sich als Generalkonsul der Volksrepublik China um das Wohl und Wehe des Konsularbezirks Nordrhein-Westfalen. Die wichtigsten Aufgaben des 54-jährigen Diplomaten: das politische Vertrauen zwischen NRW und China zu stärken, die Zusammenarbeit auf Landes- wie auf kommunaler Ebene zu vertiefen, die wirtschaftlichen Beziehungen zu intensivieren – in NRW gibt es rund 1.100 Unternehmen mit chinesischen Wurzeln oder in chinesischem Besitz, alleine 600 davon im Großraum Düsseldorf -, den Austausch der Menschen aus beiden Ländern zu fördern und Ansprechpartner für die etwa 60.000 Überseechinesen in NRW, davon rund 6.000 rund um Düsseldorf und im Kreis Mettmann, zu sein.
Aktuell haben Deutschland und China, spätestens seit dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz im Reich der Mitte im Februar, ein neues Kapitel ihrer Partnerschaft aufgeschlagen. Grund genug für Unser Ratingen, genauer hinzuschauen. In einem gut dreistündigen Interview gab uns Yu Yong Antworten auf viele unter den Fingernägeln brennende Fragen zu Themen der Geopolitik und Handelsbeziehungen, aber auch über das Potenzial bestehender wie neu aufzubauender Kontakte für die heimische Wirtschaft in Ratingen und im Kreis Mettmann – nicht zuletzt mit Blick auf die 20-jährigen Geburtstag der Städtepartnerschaft zwischen Ratingen und Huishan im kommenden Jahr.
Im Dialog Vorurteile abbauen, Verständnis füreinander schaffen
Yu Yong erwies sich bei unserem Besuch nicht nur als exzellenter wie eloquenter Gastgeber, er gab auch dezidierten Nachfragen zur globalen Entwicklung und Sicherheit, inklusive Naher Osten und Taiwan, oder zu Aspekten der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Handelskonflikte offen und klar Auskunft. Ein Gespräch, dass trotz manch unterschiedlicher Auffassungen in Sachen Welt- und Wirtschaftspolitik half, Vorurteile abzubauen, im Dialog Verständnis für die jeweiligen Positionen (und Ängste) zu bekommen. Doch heute steht zunächst der Mensch Yu Yong im Vordergrund, der im Juni 1972 in Lu’an (Provinz Anhui) geboren wurde: „Ein Ort von atemberaubender landschaftlicher Schönheit mit einem tiefen historischen Erbe.“
„Unser Generalkonsulat ist bereit zur Zusammenarbeit, um positive Beiträge zu den Beziehungen zwischen China und Deutschland, zwischen China und NRW zu leisten und Impulse für die globale Entwicklung, Sicherheit und den Zusammenhalt aller Zivilisationen zu setzen. Wir wissen Anregungen und Kritik zu unserer Arbeit sehr zu schätzen und nehmen diese mit offener, aufgeschlossener Haltung ernst“, setzt Yu Yong gleich zu Beginn einen wertschätzenden Ton. Seine Arbeit konzentriere sich hauptsächlich auf die Vertiefung der lokalen wie regionalen Beziehungen und Städtepartnerschaften, das Forcieren der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und den Austausch in den Bereichen Bildung und Wissenschaften. „Zudem möchte ich den kulturellen Austausch stärken, auf die Bevölkerung zugehen, Nähe schaffen und den gegenseitigen Austausch der Kulturen fördern“, sagt Yu Yong.
Apropos Kontakte knüpfen: Yu Yong schätzt die Lebensart der Rheinländer und den Frohsinn der Menschen: „Ob Karnevalsfeiern, sommerlichen Volksfeste oder die Märkte: Mich beeindruckt die Lebensfreunde, die friedliche, freundliche, tolerante und harmonische Atmosphäre, die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit dieses Landes und seiner Menschen.“ Bereits während seines Studiums zum „Master of Science“ entstanden Sympathie und Zuneigung für sein Gastland und insbesondere zu Düsseldorf als ein Ort voller Poesie (Heine) und Musik (Robert Schumann). „Durch meine Lektüre entwickelte ich schon in jungen Jahren eine tiefe Bewunderung für Deutschland, das Land der Denker, Wissenschaftler und Musiker.“ Yu Yong, der sich vor allem beim Lesen („Die beste Art, zur Ruhe zu kommen.“) und Laufen entspannt, hat einen weiteren Grund sich in seinem Gastland und insbesondere hier am Rhein wohl zu fühlen: „Mein Lieblings-Tischtennisspieler, Weltmeister Fan Zhending wird ab dem 1. Juli für Borussia Düsseldorf spielen.“



