
(mmm) Es gibt mächtig was zu Feiern und zum Vorzeigen: Das Museum Ratingen begeht in diesem Jahr sein 100jähriges Jubiläum. Mit einem facettenreichen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm ist das Haus am Peter-Brüning-Platz zugleich auch ein wichtiger Ort im Rahmen des 750jährigen Stadtjubiläums. Bereits der Jubiläums-Auftakt beglückt: Die spektakuläre Jubiläumsausstellung „Linie Fläche Raum“ lädt mit 62 Werken von 28 Künstlerinnen und Künstlern zu einer geradezu sinnlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst ein. Zwei Jahre lang haben Kuratorin Anne Rodler und Museumsleiterin Wiebe Siever einen spektakulären Parcours aus Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Foto- und Videoarbeiten vorbereitet, dabei auch manches neu- oder wiederentdeckt. Die Ausstellung setzt einen Schwerpunkt auf geometrische (und lyrische) Abstraktion, macht aber auch die Darstellung von architektonischen Strukturen zum Gegenstand der Auseinandersetzung. Mehr noch: Einige Arbeiten wurden eigens für die Geburtstagsaustellung und mit Blick auf die Architektur des Museums kreiert.
„Linie Fläche Raum. 100 Jahre Museum Ratingen“
„Linie Fläche Raum. 100 Jahre Museum Ratingen“ zeigt noch bis zum 16. August eine umfassende thematische Ausstellung mit Kunst von 1945 bis heute. Präsentiert wird auf zwei Etagen die Entwicklung der Museumssammlung. Werke des Informel-Künstlers Peter Brüning, der in Ratingen lebte, werden mit Arbeiten seiner Zeit von Bernard Schultze, Cy Twombly und Fritz Winter kombiniert und dabei auch neueren Ankäufen, Schenkungen und Dauerleihgaben gegenübergestellt.
Immer wieder macht die Jubiläumsschau architektonische und städtische Strukturen zu einem spannenden Thema. Beispielsweise überträgt Driss Ouadahi in seiner Malerei urbane Landschaften in flächige Farbraster, während Ralf Brueck in seiner Fotografie Architekturelemente in abstrakte Unschärfen auflöst. Mit Marcus Schwier und Anne Schülke sind zudem zwei Kunstschaffende beteiligt, deren Foto- und Videoarbeiten sich mit dem Stadtteil Ratingen-West auseinandersetzen. Geografisch und thematisch blickt die Schau beginnend mit Birgit Jensens „Blauer See N“ von Ratingen bis nach China und Nordafrika. Und auch das sind echte Hingucker: Alke Reeh und Evangelos Papadopoulos wurden eingeladen, räumliche Arbeiten vor Ort zu installieren.
„Bauen als Kulturbeitrag. Die Architektur des Museum Ratingen“
Mit der Jubiläumsschau verzahnt sich ab Ende Mai (29. Mai 2026 – 28. Februar 2027) die Ausstellung „Bauen als Kulturbeitrag. Die Architektur des Museum Ratingen“. Sie präsentiert das Museum Ratingen als einen gesellschaftlichen Ort der Kunst und Architektur wie der Reflexion über Geschichte. Ziel ist es, das Museum mit seiner Architektur in der Museumsentwicklung der vergangenen 50 Jahren zu verorten. Einst gegründet als Heimatmuseum im alten Bürgerhaus, nahmen in den 70er-Jahren Pläne zur Museumserweiterung am heutigen Peter-Brüning-Platz Gestalt an. So weist der Museumsneubau, der 1978 eingeweiht wurde, viele stilistische Merkmale der Architektur der 1970er-Jahre auf. 1991 kamen dann großzügige, lichtdurchflutete Ausstellungsflächen hinzu. Entworfen hat sie der Architekt Bruno Lambart. Die Ausstellung legt einen Schwerpunkt auf dessen Erweiterung des Museumsgebäudes.
„Elger Esser. Tempus pingendi – Die Zeit des Malens“
Im Herbst (18. September 2026 – 24. Januar 2027) widmet das Museum dem Künstler Elger Esser eine Einzelausstellung. Sein zentrales Thema ist die Landschaftsfotografie. Esser lebt in Düsseldorf, wo er an der Kunstakademie bei Bernd Becher studierte. Er gilt als einer dessen konsequentesten Schüler in Bezug auf die Idee, Typologien oder Topografien als Basis seines Œuvres anzulegen. Seine Arbeit liest sich so wie ein Parcours durch die Geschichte der Fotografie sowie als nuanciertes Wechselspiel der Fotografie mit der Malerei. Essers Aufnahmen entstehen im Stil historischer Fotografie. Auf poetische Weise fängt er die ruhige Atmosphäre von Landschaften ein. Vorzugsweise nimmt er Flüsse, Wälder und entfernte Stadtansichten auf, wobei er diffuses Licht in langen Belichtungszeiten für präzise komponierte wie detailreiche Landschaftsbilder nutzt.
Immer wieder wird in Essers Arbeiten Vergangenes hervorgerufen. Und so ist auch diese Ausstellung eingebettet in das Ratinger Jubiläumsprogramm. Innerhalb der (Kultur-) Geschichte der Stadt gelangt für Esser die Beziehung Ratingens zu Frankreich in den Fokus: Bereits 1958 wurde eine Städtepartnerschaft mit Maubeuge geschlossen, 1963 kam die Städtepartnerschaft von Le Quesnoy und der damals noch unabhängigen Gemeinde Hösel hinzu. Anlässlich der Ausstellung sind an beiden Orten Fotografien entstanden, die der Künstler erstmalig zeigt.
750 Jahre Ratingen − eine Standortbeschreibung
Im Jahr des 750-jährigen Stadtjubiläums zeigt das Museum die kulturhistorische Ausstellung „750 Jahre Ratingen – Eine Standortbeschreibung“ (11. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027). Die interaktive Schau mit ihrem Schwerpunkt auf dem Thema Arbeit will mit Mitmach-Stationen kleine und große Besucher durch die Geschichte der Stadt führen. Sie zeigt spielerisch, wie sich Berufe, Wirtschaft und Arbeitsalltag über die Jahrhunderte gewandelt haben. Vorgestellt werden historische und aktuell prägende Ratinger Unternehmen, u.a. die Papierfabrik Bagel, Keramag und Tünkers Maschinenbau.
Neben historischen Objekten sind Archivalien des Stadtarchivs vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert zu sehen. Beispielhaft sind die mittelalterliche Urkunde des Grütbierprivilegs für die Bierbrauer von 1341 oder die Satzung der Ratinger Schmiedezunft von 1777. Die Stadterhebungsurkunde der Stadt Ratingen vom 11. Dezember 1276 ist der eigentliche Anlass für die Jubiläumsausstellung: Graf Adolf von Berg und seine Frau Elisabeth verliehen dem Dorf Ratingen an diesem historischen Tag die Stadtrechte. Ein faszinierendes Schriftstück, das im Original gezeigt wird. (Infos zu den Ausstellungen: www.museum-ratingen.de.)



