Ratingen | Am Tag der entscheidenden Mitgliederversammlung der Ratinger Jonges wird immer deutlicher, dass die Debatte um den Umgang mit der Causa Ulrich längst mehr ist als ein bloßer Einzelfall. In Gesprächen mit weiteren Jonges zeigt sich ein spürbares Unbehagen darüber, wie stark ein traditionsreicher Heimatverein, der über Jahrzehnte viel Positives für Ratingen bewirkt hat, unter öffentlichen Druck geraten ist. Die Sorge dahinter ist klar: Wo endet berechtigte Kritik und wo beginnt die Einmischung von außen in innere Angelegenheiten eines Vereins? Offener Brief am Ende des Textes.
Dabei ist die Anerkennung für die bisherige Arbeit der Vereinsführung ungebrochen. Gerade die Amtszeit von Baas Dr. Edgar Dullni wurde von vielen Mitgliedern als Gewinn für den Verein wahrgenommen. Umso mehr wiegt es, wenn nun aus den eigenen Reihen kritische, aber durchaus berechtigte Fragen gestellt werden. Denn wer in einer so grundsätzlichen Frage einen Kurswechsel vollzieht, muss erklären können, warum eine frühere Entscheidung plötzlich nicht mehr tragen soll, nach welchen Maßstäben geurteilt wird und ob dabei tatsächlich vereinsinterne Grundsätze oder vielmehr äußerer Druck den Ausschlag geben.
Genau diese Fragen stehen im offenen Brief eines langjährigen Mitglieds im Mittelpunkt. Dort wird nicht einfach polemisiert, sondern nach der Substanz gefragt: Was genau war der Fehler der Aufnahme? Wann hat sich das betreffende Mitglied vereinsschädigend verhalten? Welche konkreten Positionen sind mit den Werten des Vereins unvereinbar? Und wer entscheidet künftig, was im Namen politischer Neutralität noch zulässig ist und was nicht?
Das sind keine unbotmäßigen Zwischenrufe, sondern Fragen, die in einem demokratisch organisierten Verein gestellt werden dürfen, ja gestellt werden müssen. Denn ein demokratischer Prozess, der von außen über öffentliche Erregung, soziale Medien und moralische Zuspitzung gelenkt wird, ist am Ende keiner mehr. Dann wird der sprichwörtliche Stier am Nasenring durch die Arena geführt, während andere die Richtung bestimmen.
Gerade deshalb täten die Ratinger Jonges gut daran, die Auseinandersetzung wieder dorthin zurückzuholen, wo sie hingehört: in die eigene Mitgliedschaft. Nicht Lautstärke, nicht öffentlicher Druck und nicht die Empörungsfähigkeit Dritter dürfen den Kurs eines Vereins bestimmen, sondern allein eine faire, anständige und offene Diskussion unter den Mitgliedern. Wer Heimatpflege, Bürgersinn und Gemeinschaft ernst nimmt, sollte auch in schwierigen Fragen zuerst auf diese Tugenden vertrauen.
Am Ende geht es nicht nur um eine Personalie. Es geht um die Frage, wie ein Verein mit sich selbst umgeht, wie belastbar seine Regeln sind und ob seine Mitglieder noch den Mut haben, Debatten im eigenen Haus zu führen, statt sich von außen treiben zu lassen. Genau darin liegt jetzt die eigentliche Bewährungsprobe.
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