
(mmm) Ruhestand, Rentner-Dasein? Nicht bei Fred Pradella. „Er kennt alle und ihn kennen auch alle. Ein wahrer, wertvoller Allrounder, ein Hansdampf in allen Gassen der Extraklasse“, hört man über den 78-Jährigen, der in Puttgarden auf Fehmarn zur Welt gekommen ist, 40 Jahre in Düsseldorf gelebt hat, inzwischen aber 30 Jahre im Ratinger Stadtteil Süd seine Heimat hat. „Ratingen ist meine Heimat. Es gibt nicht nur auf dem Marktplatz so viel Leben und so viele nette Menschen. Ich lebe unwahrscheinlich gerne hier“, sagt Pradella. Apropos Marktplatz: Viele seiner Ideen haben hier, im Herzen der Stadt und unter den vielen Menschen (nicht nur an Tagen des Wochenmarktes) ihren Anfang. „Da treffe ich alle, die Dinge initiieren wollen. Wenn es um die Ratinger Bürgerschaft und Stadtgesellschaft geht, bin ich dabei.“ Bürgerschaftliches Engagement sei für ihn unverzichtbar und Teil seiner DNA: „Weil es im Mikrokosmos unserer Stadt und deren Menschen das Mit- und Füreinander fördert und stärkt. Und weil es die unterschiedlichsten Kulturen zusammenbringt“, so Pradella zu seiner Motivation seines ehrenamtlichen Engagements. Die Devise: „Das Leben im kleinen Mikrokosmos schön machen, freilich ohne dabei das große Ganze zu vergessen.“
Beruflich war Pradella im Außendienst für einen Ratinger Schmierstoffspezialisten im Kreis Mettmann und dem Ruhrgebiet tätig, zu Beginn seiner Rente hat er dann noch mal eine siebenjährige Schleife im Industrie-Immobilienbereich gedreht. Privat hat er, ausgestattet mit einer A-Trainerlizenz für Leichtathletik und angedockt an den Landesportbund in Duisburg, Kinder- und Jugendfreizeiten in ganz Europa betreut. Höhepunkt war die Leitung einer Reisegruppe zu den Olympischen Spielen in Sydney. „Ich wollte schon seit meinen Tagen bei der Bundeswehr immer was mit Menschen machen“, so Pradella.
„Ich wollte schon immer was mit Menschen zusammen machen.“
Bleibt für den Familien(groß)vater mit seinem Ratinger Netzwerk in die Politik, die Stadtverwaltung, das Stadtmarketing, in den Sport sowie die Vereine des Winter- und Sommerbrauchtums Zeit für ehrenamtliches Engagement? Aber ja, Pradella ist Vorlese-Opa im Kindergarten, wird wahlweise als Nikolaus oder Weihnachtsmann engagiert, Ehrenvorsitzender der Siedlergemeinschaft Ratingen-Süd, 1. Vorsitzender des Fördervereins des Konzertchores Ratingen, Initiator mehrerer Inline-Skate-Nächte, zudem hat er bei den Mehrkampf-Meetings mitgearbeitet.
Etwas vergessen? Ganz bestimmt, aber sicher nicht sein neuestes und demnächst nach außen sichtbarstes Projekt: Seine „Daumen Initiative“ – das aktuelle Charity Projekt von Unser Ratingen unterstützt diese Aktion – ist ein künstlerisches Projekt, das im Ratinger Jubiläumsjahr die Identifikation mit der Stadt pushen soll und im besten Falle wie eine Landmarke das Stadtbild über Jahre hinweg prägen könnte. 32 „kleine Daumen“ werden mit Motiven rund um die Stadtgeschichte und Dumeklemmer-Sage als Teil der Jubiläumserzählung in den Kindergärten und Schulen sichtbar mit Leben erweckt. Die mannshohen großen Daumen, von denen je nach Höhe der eingehenden Spendengelder idealerweise drei bis fünf aufgestellt werden (geplant ist u.a. Innenstadt, Lintorf, Hösel, Homberg), sollen – Vorbilder sind u.a. die Radschläger Aktion in Düsseldorf oder die Berliner Bären – werden von Künstlern frei realisiert. „Mit der Aktion wollen wir die alte Geschichte Ratingens in Erinnerung rufen und damit Jung wie Alt, etablierte Stadtgesellschaft und wie neu Hinzugezogene über den historischen Hintergrund Ratingens informieren“, so Pradella, in dessen Händen die gesamte Organisation über die Produktion der Daumen, deren Verteilung an die Schulen und Kitas sowie die Vermarktung, Präsentation und Sponsorensuche liegt. Aktuell beinahe ein Fulltime-Job. Pradella: „In meiner DNA steckt sehr viel Zuneigung zu Ratingen und den Menschen. Der Austausch mit ihnen prägt mein Leben.“
Für Pradella war es von Anfang an klar, etwas mit dem Daumen zum Stadtjubiläum zu machen: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Unabhängig vom Stadtjubiläum werde der erhobene Daumen als positives Zeichen, das ein jeder versteht, wahrgenommen. Die Botschaft: „Wir sind zuversichtlich, es geht gut weiter.“ Wie geht es bei Pradella, der an Ratingen insbesondere das Kulturleben mit Formaten wie Sunday Jazz, Tragödchen und „Kleines Theater nebenan“ schätzt, nach dem Jubiläumsjahr weiter? „Ich habe angefangen, Ukulele zu spielen, komme da aber nicht weiter. Nach dem Jubiläumsjahr starte ich einen neuen Versuch. Und ich singe sehr gerne für mich.“



