Nicht zuletzt der Blackout in Berlin hat deutlich gemacht, dass unsere sog. „kritische Infrastruktur“ durchaus anfällig für Sabotageakte ist. Tagelang blieben – ohne Vorwarnung – Zehntausende Haushalte ohne Strom, ohne Licht und ohne Heizung. Supermärkte und Tankstellen blieben geschlossen, auch die gewohnten Informationsquellen wie TV, Radio und Internet blieben stumm. Mit anderen Worten: Die Einschränkungen für die Betroffenen waren durchaus erheblich.
Und der versuchte Brandanschlag auf ein Umspannwerk in Erkrath beweist: Auch unsere Region ist nicht frei von Wirrköpfen. Spätestens jetzt fragen wir uns, wie gut gerüstet Ratingen in eine solche Situation geht.
Die Frage richtet sich zunächst einmal an unseren Haupt(energie)versorger, die Stadtwerke Ratingen. Wie resilient sind unsere Stromleitungen? Gibt es neuralgische Punkte für mögliche Anschläge? Inwieweit bestehen Redundanzen, um Stromausfälle regional und zeitlich zu begrenzen? Stehen dafür in hinreichendem Maß personelle und sächliche Kapazitäten zur Verfügung? Fragen, die von der örtlichen Politik aufgeworfen werden und die im Aufsichtsrat der Stadtwerke und – tunlichst nichtöffentlich – in den Gremien des Rates besprochen werden sollten. Die Politik steht also quasi schon unter Strom.
Nächste Frage: Wie steht es mit der Notfallversorgung für die von einem Stromausfall betroffene Bevölkerung? Bei den staatlichen Stellen muss nach Zuständigkeiten differenziert werden: Beim Katastrophenschutz ist auf der unteren kommunalen Ebene der Kreis Mettmann, beim Zivilschutz (im Kriegs- oder Verteidigungsfall) der Bund zuständig. Für die Gefahrenabwehr vor Ort bei Naturkatastrophen bedeutet dies: Polizei, Feuerwehr, Ordnungsamt, daneben Hilfsorganisationen wie das THW, die Johanniter, die Malteser, der ASB oder das Rote Kreuz sind beim Katastrophenschutz gefragt. In Ratingen hatte sich diese Zusammenarbeit, in die auch die kommunalen Dienste einbezogen waren, nach den Sturmkatastrophen von Kyrill oder Ela gut bewährt. Aber der Zusammenbruch eines Stromnetzes stellt noch eine ganz besondere Herausforderung dar.
So wurde gerade erst auf der Insel Helgoland der Komplettausfall des Stromnetzes simuliert und die sich daraus ergebenden Fragen einer Notstromversorgung, der Versorgung von Erkrankten/Patienten, der Versorgung mit Lebensmitteln bis hin zur Kommunikation und Organisation einer zivilen Vorsorge getestet. Machen wir uns nichts vor: Es gibt keine Vollkasko-Vorsorge des Staates für solch einen Ernstfall, da ist vielfach auch eigene Initiative und Vorsorge – auch im Sinne einer Nachbarschaftshilfe – gefragt.
Fragen wir uns also, was wir tun können, um uns auf einen solchen Notfall vorzubereiten. Man muss kein „Prepper“ (aus dem Englischen: to be prepared) sein, um die wichtigsten Grundlagen zu schaffen, einen mehrtägigen Blackout zu überstehen. Solche Vorbereitungen sehen bei jedem anders aus, deshalb bietet die Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (www.bbk.bund.de
) einen guten Leitfaden für eine individuelle Planung.
Und wir brauchen – vergleiche Helgoland – auch für Ratingen eine Simulation des Ernstfalls, um aus diesem Szenario die richtigen Schlüsse abzuleiten. Oder, wie man bei den BOS, den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, formuliert: Wir müssen vor die Lage kommen.
Max v. d. Anger




