Neujahrsempfang des Bürgermeisters: Quo vadis, Ratingen?

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Bürgermeister Patrick Anders bei seinem Vortrag am 9. Januar 2026 im Museum der Stadt Ratingen, Bild: Alexander Heinz
Bürgermeister Patrick Anders bei seinem Vortrag am 9. Januar 2026 im Museum der Stadt Ratingen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen (FG) | Am dritten Freitag im neuen Jahr, am Abend des 16. Januar, findet der traditionelle festliche Neujahrsempfang der Stadt Ratingen statt. Bürgermeister Patrick Anders, im September neu gewählt, spricht vor über 400 geladenen Gästen unter anderem über das Stadtjubiläum 2026 und über wesentliche Initiativen, die er in diesem und im nächsten Jahr setzen will.

Mehr Sicherheit und Sauberkeit
Einen Vorgeschmack gab Anders bereits beim Neujahrsempfang der CDU Ratingen-Mitte im Stadtmuseum vor fast 200 Gästen. Für mehr Sicherheit und Sauberkeit kündigte er neue Impulse an, darunter eine Ausweitung des Stellenplans und eine massive Stärkung des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD). In Ratingen-West soll es dafür eine eigene Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger geben. Zudem ist der Stadt offenbar ein Win-win-win-Ankauf des früheren AOK-Bürogebäudes nach monatelangen Verhandlungen gelungen, wodurch ein jahrelanger Leerstand an zentraler Stelle im Stadtkern absehbar endet. Der KOD soll in der Minoritenstraße mit guter Erreichbarkeit und zusätzlichem Personal zur festen Einrichtung werden. Wenn der Rat zustimmt und Personalgewinnung sowie Gebäudemodernisierung bis zum Sommer gelingen, könnten schon im Jubiläumsjahr 2026 Verbesserungen sichtbar werden – idealerweise auch durch Doppelstreifen von Polizei und Ordnungsdienst.

Erweiterung und Modernisierung des Amtsgerichts
In dieses Bild passt die langfristige Sicherung des Gerichtsstandorts Ratingen, die noch vor der „Staffelholz-Übergabe“ von Bürgermeister a. D. Klaus Pesch an Anders erreicht wurde. Das Bekenntnis des Landes NRW wird durch Baubeschluss, Erweiterung und Modernisierung des Gebäudes an der Düsseldorfer Straße bekräftigt und schafft Perspektiven für Jahrzehnte. Mit der neuen Amtsgerichtsdirektorin Dr. Harsta wurde zudem eine profilierte Juristin gewonnen, die sich für Bürgerservice und Institution engagiert.

Notfallpraxis eingestellt – Einschnitte in die Infrastruktur
Diesen positiven Entwicklungen stehen die Schließung des St.-Marien-Krankenhauses im April 2024 sowie nun die Einstellung des kassenärztlichen Notdienstes an der Mülheimer Straße gegenüber. Da die Verantwortung nicht bei der Stadt lag, konnten Rat und Verwaltung diese Einschnitte nicht verhindern. Aufgeben sei jedoch keine Option, solange das Krankenhausgebäude noch stehe und medizinische Dienstleistungen dort angesiedelt werden könnten. Erwartet werden Initiativen von Bürgermeister und Stadtrat, um vom Insolvenzverwalter zumindest eine medizinische Folgenutzung von Teilen der Immobilie an der Werdener Straße zu erreichen.

Investitionsschub für Familien – Schwerpunkt Ratingen-West
Der Ausbau der Kinderbetreuung war bereits ein Schwerpunkt von Klaus Pesch (2014–2025), zuletzt mit Fertigstellungen bei OGS an der Johann-Peter-Melchior-Schule (Lintorf), der Wilhelm-Busch-Schule (Hösel) sowie einer Kita in Tiefenbroich. Unter Anders sollen diese Investitionslinien fortgeführt werden: kurzfristig mit dem Neubau der Heinrich-Schmitz-Schule (Lintorf) sowie Projekten in Hösel (Kita an der Bahnhofstraße, OGS am Altenhof). Anders betonte zugleich, dass der Investitionsschwerpunkt der neuen Wahlzeit in Ratingen-West liege: Ausbau der Astrid-Lindgren-Schule, millionenschwere Modernisierungen am Schulzentrum West inklusive Ersatz- bzw. Ergänzungsbauten, ein neuer Seniorentreff kombiniert mit einer Kita an der Liebigstraße sowie die Erneuerung des Abenteuerspielplatzes.

Finanzierung: Personalkosten und Kreisumlage
Offen bleibt, wie diese Vorhaben finanziert werden. Zu erwarten ist ein spürbarer Anstieg bereits hoher Personalkosten. Besonders belastend wirkt die stark steigende Kreisumlage – einerseits wegen der verbesserten Gewerbesteuereinnahmen Ratingens, andererseits wegen des Absturzes der Finanzkraft Monheims, der viele Städte im Kreis Mettmann zusätzlich belastet. Entscheidend werden politisches Gespür und Geschick der neuen Landrätin Dr. Bettina Warnecke und des Kreistags. Die Haushaltsberatungen des Kreises (bis Ende März) und des Stadtrats (bis Anfang April) verdienen daher besondere Aufmerksamkeit.